Cognitive Science by Aloptec

Als Cognitive Science Entwickler arbeite ich
schon seit den frühen 80er Jahren hauptsächlich an dem Thema
„automatische Verarbeitung natürlicher Sprache“.
Dieses Thema hat mich immer wieder außerordentlich
mit Freude und Faszination erfüllen können.
Der wesentliche Unterschied zu früher, und warum
ich heute etwas dazu schreibe ist, daß ich erst vor kurzem,
bei meiner Tätigkeit als Begleiter von Psychoseerfahrenen
gehört habe, wie sich diese Wissenschaft, in der ich mich
schon so lange bewege, denn eigentlich nennt:

Ja, genau das Feld, das ich schon so lange bearbeite,
nennt sich heute „cognitive science“!
Nicht schlecht, wenn ich das heute doch so
griffig bezeichnen kann. Das ist mir definitiv
einen persönlichen Feiertag wert.

Ich habe so auch gleich ein -englisches-
Lehrbuch dazu erwerben können. Die TU-Darmstadt hält
seit letztem Semester ein Studienfach dazu vor.

Im Laufe meines Lebens ist mir mehr und mehr klarer geworden,
warum die Verarbeitung natürlicher Sprache so enorm
schwierig ist: Lange Zeit hat man unseren Sprachapparat
mit der von ihm produzierten Sprache gleich gesetzt.

Wie unser Sprachapparat letztlich beschaffen ist,
weiß man aber auch heute nicht wirklich.
Die von ihm produzierte Sprache kann in wunderbarster
Art und Weise die anspuchsvollsten Gegenstände,
wie z.B. Intelligenz und Liebe, artikulieren.

Und dennoch, das ist wirklich immer wieder
nur sehr schwer zu fassen,
ist das Sprachergebnis als solches,
niemals Intelligenz oder Liebe selbst,
sondern nur ein totes, auch -immaterielles- Bild,
das ohne einen lebendigen Betrachter
völlig bedeutungslos ist und bleibt.

Das ist auch kommunikationstheoretisch
sehr wichtig.

Ich denke, der Sprachapparat selbst ist,
wie auch Liebe und Intelligenz an sich,
mit dem Lebendigen so sehr verwoben,
daß wir uns diesem auch heute
nur in außerordentlicher Demut
in der Lage sind zu nähern.

Soweit ich die Künstliche Intelligenz,
wie sie heute betrieben wird, verstehe,
sind auch die spannendsten, programmierten
Anwendungen letztlich eben nicht mehr,
als eben diese immateriellen Bilder,
letztlich ohne inneren Wert, wie bisher immer.
Solange ohne Wert, bis ein lebendiger Betrachter
in der Lage ist, sie zu würdigen.

Es gibt ja Strömungen, die von der Hardware her,
bottom-up, Maschinen schaffen wollen,
die solcherart, höheren Fähigkeiten von „sich aus“
erbringen sollen, „Künstliches Leben“, nennt man
so etwas. Aber auch da stößt der Mensch wohl
immer wieder an diese Grenze, daß er deskriptiv
auch in der Hardware etwas beschreiben will,
daß es eben heute nur im Lebendigen wirklich gibt;

Manche gehen ja deswegen heute auch so weit,
daß sie sagen, auch wir selbst seien nur eine
Simulation…

Eine „Simulation“ vielleicht, nur von was?

Gott selbst vielleicht, oder vielleicht auch weitere,
zwischengeschaltete Geschöpfe, haben uns erschaffen?

Wie auch immer;
Auch wenn der Versuch, wie eigentlich schon immer,
sehr populär war und ist: an der Gottfrage
kommen wir auch heute keinesfalls vorbei.


© 2020 Andreas Wendel

Etwas zu Hermeneutik und Selbsthilfe

Was ich bisher von Hermeneutik im 19. Jahrhundert verstehe, ist, dass die historischen, physikalischen und auch psychologischen Einzelheiten einer Katze, die sich in den Schwanz beisst, erst dann verstanden werden können, wenn man die Ganzheit einer Katze in all diesen Aspekten, wenn sie sich in den Schwanz beisst, versteht;

Heidegger fügte dieser Katze im 20. Jahrhundert dann noch so etwas wie Selbstbehauptung und Selbstfürsorge hinzu,
die sich im Wort mitteilt;
nichts für ungut.


Martin Heidegger sagt weiter:
„Die Hermeneutik hat die Aufgabe, das je eigene Dasein in seinem Seinscharakter diesem Dasein selbst zugänglich zu machen, mitzuteilen, der Selbstentfremdung, mit der das Dasein geschlagen ist, nachzugehen. In der Hermeneutik bildet sich für das Dasein eine Möglichkeit aus, für sich selbst verstehend zu werden und zu sein.“


Hans-Georg Gadamer sagt danach 1960 unter anderem:
„Ein Gespräch führen heißt, sich unter die Führung der Sache stellen, auf die die Gesprächspartner gerichtet sind. Ein Gespräch führen verlangt, den anderen nicht niederzuargumentieren, sondern im Gegenteil das sachliche Gewicht der anderen Meinung wirklich zu erwägen. […] Wer die ‚Kunst‘ des Fragens besitzt, ist einer, der sich gegen das Niedergehaltenwerden des Fragens durch die herrschende Meinung zu erwehren weiß. Wer diese Kunst besitzt, wird selber nach allem suchen, was für eine Meinung spricht. Dialektik besteht darin, daß man das Gesagte nicht in seiner Schwäche zu treffen versucht, sondern es erst selbst zu seiner wahren Stärke bringt.“

Ausserdem:

„So gibt es gewiß kein Verstehen, das von allen Vorurteilen frei wäre, so sehr auch immer der Wille unserer Erkenntnis darauf gerichtet sein muß, dem Bann unserer Vorurteile zu entgehen. Es hat sich im Ganzen unserer Untersuchung gezeigt, daß die Sicherheit, die der Gebrauch wissenschaftlicher Methoden gewährt, nicht genügt, Wahrheit zu garantieren. Das gilt im besonderen Maße von den Geisteswissenschaften, bedeutet aber nicht eine Minderung ihrer Wissenschaftlichkeit, sondern im Gegenteil die Legitimierung des Anspruchs auf besondere humane Bedeutung, den sie seit alters erheben. Daß in ihrer Erkenntnis das eigene Sein des Erkennenden mit ins Spiel kommt, bezeichnet zwar die wirkliche Grenze der ‚Methode‘, aber nicht die der Wissenschaft. Was das Werkzeug der Methode nicht leistet, muß vielmehr und kann auch wirklich durch eine Disziplin des Fragens und des Forschens geleistet werden, die Wahrheit verbürgt.“

Ist es das?

Auch ich frage da Sprache immer mal wieder als eine Art Urgestein des Geistes ab. Etwas in einem gewissen Zusammenhang Artikuliertes kann immer zu einer eigenständigen Quelle neuer, andersartiger Erkenntnis werden.

Habermas und Apel regen Gadamer später zu einer intensiveren Ausarbeitung des kritischen Potentials seiner Hermeneutik an.

Jetzt kann man Hermeneutik interkulturell und auch intentional betreiben, erkennen, dass Verstehen kein sich schließender, zirkulärer, sondern ein stetig wachsender, spiraliger (wendeliger, ;-)) Prozess ist.


Die Psychologie des Verstehens muss heute immer subjektiv bleiben, für die naturwissenschaftlichen Erfahrungen kann man sich erneut einer Hermeneutik der Natur zuwenden, die Differenzen von Meinen und Sagen kann man versuchen in einem forschenden Bildungsprojekt objektiv zu betrachten.

Natürlich, die Heroen unserer Philosophien sagen noch mehr und auch noch anderes; …

sync …

Danach kann man sich nach Wikipedia auch weiter der Logik und
der Erkenntnistheorie zuwenden,

es hört einfach nicht auf,
Statistik, Mathematik, Physik, Theologie, Soziologie, Politik …

… alles relevant
und das alles, weil ich psychotische Erfahrungen verarbeiten will …

… oder legt mir dieses hermeneutische Philosophieren in dieser Art und Weise letztlich nur unser Zeitgeist nahe …

Und jetzt auch wieder in einer selbsthelferischen Absicht: Wären Sie eigentlich auch zu so einem Aufwand für sich und andere bereit?


© 2020 Andreas Wendel

Im inneren Garten

Ein junger Mann ging einen weiten Weg durch eine grosse Wüste, der Weg führte in Richtung eines sehr grossen Gebirges.
In der Mitte dieses Weges traf er auf der rechten Seite auf einen schönen Garten, der von einem alten Mann gepflegt wurde, der diesem alten Mann gehörte und ihn auch versorgte.

Dieser Garten war eingezäunt und in der Mitte befand sich eine kleine Hütte, die dem alten Mann Schutz bot und ein Brunnen.
Der alte Mann stand morgens früh auf und begann sein Tagewerk, dass im Moment darin bestand,
von dem nahe gelegenen Brunnen mit einem Eimer Wasser zu schöpfen und dieses Wasser zu den Pflanzen zu tragen,
die sich in seinem Garten befanden.

So gestaltete sich das Leben des alten Mannes in der Pflege seines von der Sonne beschienenen Gartens schon viele Jahre.

Da kam der junge Mann auf seinem Weg durch die Wüste an den Zaun dieses Gartens und schaute dem alten Mann zu.
Nicht lange, und er fragte, warum der alte Mann sich so abplagte.
Er machte ihm den Vorschlag, doch vom Brunnen aus Gräben zu den Pflanzen zu ziehen.
Und statt das Wasser Eimer für Eimer mühsam zu den Pflanzen zu tragen, könne er eine Pumpe benutzen,
und so den Garten viel leichter mit Wasser versorgen! Auf diese Weise könne sein Garten sogar wachsen!

Der alte Mann schaute den jungen Mann an und schwieg.
Dann sagte er: „Warum sollte ich das tun…“.

© 1984, 2020 Andreas Wendel

Unsäglich…

Das Leben selbst schreibt die unglaublichsten Geschichten, vivat!

© 2019 Andreas Wendel