Etwas zu Hermeneutik und Selbsthilfe

Was ich bisher von Hermeneutik im 19. Jahrhundert verstehe, ist, dass die historischen, physikalischen und auch psychologischen Einzelheiten einer Katze, die sich in den Schwanz beisst, erst dann verstanden werden können, wenn man die Ganzheit einer Katze in all diesen Aspekten, wenn sie sich in den Schwanz beisst, versteht;

Heidegger fügte dieser Katze im 20. Jahrhundert dann noch so etwas wie Selbstbehauptung und Selbstfürsorge hinzu,
die sich im Wort mitteilt;
nichts für ungut.


Martin Heidegger sagt weiter:
„Die Hermeneutik hat die Aufgabe, das je eigene Dasein in seinem Seinscharakter diesem Dasein selbst zugänglich zu machen, mitzuteilen, der Selbstentfremdung, mit der das Dasein geschlagen ist, nachzugehen. In der Hermeneutik bildet sich für das Dasein eine Möglichkeit aus, für sich selbst verstehend zu werden und zu sein.“


Hans-Georg Gadamer sagt danach 1960 unter anderem:
„Ein Gespräch führen heißt, sich unter die Führung der Sache stellen, auf die die Gesprächspartner gerichtet sind. Ein Gespräch führen verlangt, den anderen nicht niederzuargumentieren, sondern im Gegenteil das sachliche Gewicht der anderen Meinung wirklich zu erwägen. […] Wer die ‚Kunst‘ des Fragens besitzt, ist einer, der sich gegen das Niedergehaltenwerden des Fragens durch die herrschende Meinung zu erwehren weiß. Wer diese Kunst besitzt, wird selber nach allem suchen, was für eine Meinung spricht. Dialektik besteht darin, daß man das Gesagte nicht in seiner Schwäche zu treffen versucht, sondern es erst selbst zu seiner wahren Stärke bringt.“

Ausserdem:

„So gibt es gewiß kein Verstehen, das von allen Vorurteilen frei wäre, so sehr auch immer der Wille unserer Erkenntnis darauf gerichtet sein muß, dem Bann unserer Vorurteile zu entgehen. Es hat sich im Ganzen unserer Untersuchung gezeigt, daß die Sicherheit, die der Gebrauch wissenschaftlicher Methoden gewährt, nicht genügt, Wahrheit zu garantieren. Das gilt im besonderen Maße von den Geisteswissenschaften, bedeutet aber nicht eine Minderung ihrer Wissenschaftlichkeit, sondern im Gegenteil die Legitimierung des Anspruchs auf besondere humane Bedeutung, den sie seit alters erheben. Daß in ihrer Erkenntnis das eigene Sein des Erkennenden mit ins Spiel kommt, bezeichnet zwar die wirkliche Grenze der ‚Methode‘, aber nicht die der Wissenschaft. Was das Werkzeug der Methode nicht leistet, muß vielmehr und kann auch wirklich durch eine Disziplin des Fragens und des Forschens geleistet werden, die Wahrheit verbürgt.“

Ist es das?

Auch ich frage da Sprache immer mal wieder als eine Art Urgestein des Geistes ab. Etwas in einem gewissen Zusammenhang Artikuliertes kann immer zu einer eigenständigen Quelle neuer, andersartiger Erkenntnis werden.

Habermas und Apel regen Gadamer später zu einer intensiveren Ausarbeitung des kritischen Potentials seiner Hermeneutik an.

Jetzt kann man Hermeneutik interkulturell und auch intentional betreiben, erkennen, dass Verstehen kein sich schließender, zirkulärer, sondern ein stetig wachsender, spiraliger (wendeliger, ;-)) Prozess ist.


Die Psychologie des Verstehens muss heute immer subjektiv bleiben, für die naturwissenschaftlichen Erfahrungen kann man sich erneut einer Hermeneutik der Natur zuwenden, die Differenzen von Meinen und Sagen kann man versuchen in einem forschenden Bildungsprojekt objektiv zu betrachten.

Natürlich, die Heroen unserer Philosophien sagen noch mehr und auch noch anderes; …

sync …

Danach kann man sich nach Wikipedia auch weiter der Logik und
der Erkenntnistheorie zuwenden,

es hört einfach nicht auf,
Statistik, Mathematik, Physik, Theologie, Soziologie, Politik …

… alles relevant
und das alles, weil ich psychotische Erfahrungen verarbeiten will …

… oder legt mir dieses hermeneutische Philosophieren in dieser Art und Weise letztlich nur unser Zeitgeist nahe …

Und jetzt auch wieder in einer selbsthelferischen Absicht: Wären Sie eigentlich auch zu so einem Aufwand für sich und andere bereit?


© 2020 Andreas Wendel

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© 2020 Andreas Wendel